Laudatio auf Markus Niklaus

Laudatio auf den scheidenden FC Präsident Markus Niklaus
gehalten von Hansruedi Kauz an der Hauptversammlung am 29.06.2007

Liebe Fussballfreunde,
Schon Wencke Myhre sang in den sechziger Jahren:“ Er steht im Tor, im Tor, im Tor und ich dahinter, Frühling, Sommer, Herbst und Winter bin ich nah bei meinem Schatz auf dem Fussballplatz.

Ein Goalie muss beissen können, er muss jahrelang hart arbeiten um als Stammkeeper eingesetzt zu werden.

Früher galt: In einer guten Fussballmannschaft spinnt der Torhüter und der linke Flügel ist verrückt. Den echten linken Flügel gibt es schon lange nicht mehr.

Der „Torhüter“ nimmt eine Sonderstellung ein, die schon optisch dadurch dokumentiert wird, dass er sich laut Regelwerk in der Spielkleidung von den Feldspielern beider Mannschaften unterscheiden muss. Er darf den Ball mit der Hand spielen (nur im eigenen Strafraum), was sonst keinem Spieler auf dem Spielfeld erlaubt ist.

Seine Aufgabe besteht darin, dank seiner Fähigkeiten wie Sprungkraft, Fangsicherheit, Reaktionsschnelligkeit und Stellungsspiel die Torschüsse des Gegners abzuwehren. Aber auch die Organisation zählt zu seinen Aufgaben. Nach gehaltenen Bällen hat er Einfluss auf den Fortgang des Spielgeschehens, kann die Bälle nach vorn schlagen oder werfen oder auch in der Abwehr halten; er kann damit ein Spiel schnell oder langsam machen, was spieltaktische Fähigkeiten voraussetzt.

Die sich aus der Position des Torhüters ergebenden Entfaltungsmöglichkeiten sind einerseits überaus reizvoll, stellen aber andererseits hohe Anforderungen an sein psychisches und physisches Leistungsvermögen. Von den Leistungen eines Torhüters hängen im entscheidenden Mass Erfolg und Misserfolg einer Mannschaft ab.

Diese Torhüter haben ihre Macken. Ihre Übermotivation kann schon mal ausarten.
Der Job zwischen den Pfosten könne Menschen verrückt machen, sagen Psychologen, den nirgendwo seien Fehler so entscheidend wie beim Goalie. Deshalb seien Torhüter konzentrierter, seriöser und aggressiver als andere Fussballer, denn sie werden unter den Fans auch als  Panther, Tiger oder ganz trivial, kurz Nummer Eins genannt.

Auf dem Platz strahlen diese so genannten Tiere viel Persönlichkeit und Leistungsbereitschaft aus und schreien laut mit ihren Abwehrspielern und Vorderleuten. Der Strafraum ist des Torhüters Jagdrevier und macht ein Verteidiger in diesem Gebiet einen Fehler, lässt sich der ausbügeln, den Goalie rettet aber keiner.

Nach dem Schlusspfiff kann dieser Keeper minutenlang allein mit seinen Gefühlen vor seinem Torpfosten auf dem Rasen hocken und mit traurigen Augen ins leere blicken und zu sich sagen:“ Warum nur, warum haben wir verloren“?

Dieser Goalie mutierte nach dem Match zum lammfrommen, handzahmen Schmusekater. Unter seiner harten Schale befindet sich ein weicher Kern.
Nach einem rassigen Spiel geniesst er die Geselligkeit und verlässt solche Runden oft als einer der Letzten und zeigt eine hohe Standfestigkeit, mit wenigen Ausnahmen.

Wer ist nun dieser Stammeshäuptling auf dem Fussballplatz, der den anwesenden Schiri mit seinem bösen Blick verscheucht, den Gegner auch mal wegrempelt, ihnen die Bälle vom Fuss zaubert, in die Ecken hechtet oder wenn ihm ein Gegner den Ellenbogen an die Rübe hämmert, verteidigt er sich beissend und kratzend wie ein gereizter Silberrücken in einer gefährdeten Naturlandschaft.

Wer ist dieser Goalie, der immer wieder hinter die Regelüberwacher geriet, wenn sie Dissonanzen pfiffen.

Es ist unser FC Präsident Markus Niklaus, kurz Küsu genannt.
Küsu unsere ehemalige Nummer Eins wurde vor 10 Jahren in den Vorstand des FC Rubigen berufen.

Torhüter sind irgendwie anders, darum wollte Küsu vor fünf Jahren unbedingt FC Präsident werden um zuvorderst an der Vereinsfront auch mal Tore zu schiessen und nicht hinten nur abgefälschte Bälle abzuwehren.

Küsu steht nicht mehr im Tor der ersten Mannschaft, aber er stellt sich mit Leib und Seele in den Dienst des FC Rubigen.

Küsu hat auch den so genannten „Dörfligeist“ und das eigene Klubdenken überwunden und hat den Juniorenbereich Hand in Hand mit dem FC Münsingen neu koordiniert. Der Erfolg dieser Juniorenmannschaften kann sich sehen lassen.

Als ich zurückblickte, um die Stationen und Details im Vereinsleben unseres Präsidenten Markus Niklaus in den letzten 10 Jahren aufzeigen zu können, musste ich erkennen, dass es schwierig ist, die vielen, vielen Bereiche, in denen er tätig war und noch ist, in einer kurzen Abhandlung kundzutun.
Zwar könnte ich Vereinsbereiche, Handlungen und Leistungen kalendermässig zusammenstellen und vortragen, doch dies ginge viel zu weit.

In seiner Präsidialzeit können zwei wichtige Ereignisse hervorgehoben werden:
Aufstieg in die erste Stärkeklasse der 3. Liga und Aufstieg in die 4. Liga.

Küsu hat das Vereinsleben laufen gelassen (Hier möchte ich den Song von Stiller Has Endo Anaconda einfügen, der als scharfsichtiger Beobachter von Arbeitsabläufen sagt: nei nei nei nid eso hani gseit… steue nid lege… znüni näh… znüni näh im FC Jargon es bierli näh).

Küsu hat in allen Entscheidungen eine klare Linie gezeigt und auf keinerlei Geschrei von innen und aussen reagiert. Er hat seinen Vorstandsmitgliedern vertraut.

Er verstand es mit seinem ausgeprägten diplomatischen Führungsstil, meisterhaft seine Vorstands Kollegin und  seine Vorstands Kollegen bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein, mit mehr oder weniger sanftem Rückenwind wirkungsvoll zu unterstützen.

Seine Bedeutung bestand aber nicht darin, nur Informationen zu koordinieren. Was ihn auszeichnete, war Fähigkeit, Ideen zu entwickeln, zu vertiefen und umzusetzen.

Er war ein Glücksfall für unseren FC Rubigen.Er war ein Fussballer, voller altmodischer Tugenden, beispielsweise Pflichtbewusstsein und Disziplin.

Mit Umsicht und feinem Gespür für das Machbare hat er den FC Rubigen geleitet.
Wer Menschen für seine Ziele gewinnen will, der muss sie verstehen wollen, sie einbinden, und der muss ihnen auch zuhören können und das konnte er.

Küsu war kein Mann der grossen und keiner der vielen Worte – was er sagt, meint er, aber was er meint hält er nicht für die Weisheit letzten Schluss.

Er war sehr zuverlässig und war immer da, wenn man ihn brauchte.
Noch nie wurde auf der Hunzigenrüti rund ums Hauptgebäude soviel gebaut, wie in Küsu’s Präsidentschaftszeit.
Ein Chalet, ein Wintergarten, eine Dachverlängerung, zwei Container mit Foodcorner  sowie ein Anbau für den Greenkeeper und für den Materialverwalter (der heute Equipment Manager heisst) wurde in Zusammenarbeit mit der BEKO und den helfenden Vereinsmitglieder realisiert.

Einer bekam er in seiner Amtszeit nie in den Griff: Den FC Baulöwe Jakob Heinz. An ihm biss er sich fast die Zähne aus, wenn „Hene“ wieder ein An-  oder Ausbau plante, wurde es ihm immer wieder fast schwarz vor seinen Augen.
Trotz dieser immensen Jakobschen Bautätigkeit konnte Küsu die Interessen des FC Rubigen durchsetzen und war zu guter letzt froh um diese neuen Räumlichkeiten.

Ein englischer Fussballer Spruch sagt:
Never change a winning team. „Eigentlich dürftest Du gar nicht zurücktreten, wenn Du diesen Spruch beherzigen würdest, denn unsere heutige Vereinsleitung leistet eine Superarbeit im Dienste des FC Rubigen“.

Eine kleine Anmerkung möchte ich noch über die Planice Reisen anfügen. Einige Vereinsmitglieder haben mich persönlich angefleht, keine einzige Zeile darüber zu schreiben, weil alle heissen Unterlagen, über den illegalen Grenzübergang, über den Aufenthalt in Planice, usw, usw, auf unergründliche Art und Weise verschwunden sind, ausser einigen harmlosen Fotos in der FC Gallery.
Warum ein solches Tabu über diese Tschechien-Reisen entwickelt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Nun bin ich dort angelangt, wo sich sicher schon mancher sagt: Geht die Rede gar zu lange, so brauch ich nachher eine Stange.

Lieber Küsu, mir bleibt nur noch zu sagen: Hab’ Dank für Deine verdienstvolle,        10-jährige Zeit im Vorstand und Dein rastloses und erfolgreiches Wirken in den letzten 5 Jahren als Präsident des FC Rubigen.
Der Vorstand, die FC Mitglieder und die FC Mitarbeiterinnen danken Dir herzlich für Deinen treuen Einsatz, Deine Zuverlässigkeit und stets uneingeschränkte Hilfsbereitschaft.
Wir wünschen Dir weiterhin viel Glück, gute Gesundheit und Befriedigung im Beruf sowie im privaten Bereich.

Den anwesenden Schiris möchte ich mit Hilfe eines berühmten Psalmenworts noch ein wenig Trost spenden, wenn sie von einer Nummer Eins verbal angegriffen werden:
„Der Gerechte muss viel leiden“.

„Ich habe fertig.“


Veröffentlicht am 00:00:00 29.06.2007 unter dem Titel Laudatio auf Markus Niklaus Hansruedi Kauz


Letzte Aktualisierung
10:57:34 02.06.2009